Auftaktseminar zur Dorferneuerung in Holzkirchen und Wüstenzell

Dorferneuerung Klosterlangheim

Foto: Maria Hegemann, Schule der Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim (SDF)

Im Rahmen der Vorbereitungsplanung zur Dorferneuerung fand am 11. und 12.09.2020 ein Grundseminar an der Schule der Dorf- und Flurentwicklung Klosterlangheim statt. 14 interessierte Bürger aus Holzkirchen und Wüstenzell sowie eine Vertreterin des Planungsbüros Klärle GmbH, die Projektleiterin vom Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken und eine Vertreterin der Allianz Waldsassengau nahmen daran teil. Die Dorferneuerung ist eine bewährte strukturpolitische Maßnahme mit dem Ziel, die Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse auf dem Lande zu verbessern. Im Seminar galt es, tief und genau auf die beiden Gemeindeteile Holzkirchen und Wüstenzell zu schauen, Stärken und Schwächen zu analysieren und zu diskutieren. Dabei war auch genug Zeit, um darüber nachzudenken, welche Entwicklung die Gemeinde nehmen soll. Das Seminar sollte die Teilnehmer fit machen für den Entwicklungsprozess, Hilfestellung geben für die künftige Struktur/ Organisation und fachliche Impulse für die Erfolgsfaktoren einer Dorferneuerung geben. Die Seminarteilnehmer sollen deshalb die gewonnenen Erkenntnisse und Informationen sowie die Aufbruchsstimmung an den Gemeinderat sowie an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben. Das Seminar war geprägt durch eine rege und engagierte Beteiligung aller Teilnehmer, die in intensiver Auseinandersetzung und unter methodischer Anleitung erste Ideen und Möglichkeiten diskutierten, wie das Leben in unserer Gemeinde lebendiger und attraktiver gestaltet werden kann. Dabei stand das Miteinander - das „WIR“ -  im Vordergrund. Themen des Seminares waren:

Stärken, Schwächen und Chancen unserer Gemeinde

  • Stärken:

Lage im Aalbachtal, sehr schöne Landschaft, gesunde Vereinsstrukturen, Benediktushof und Klosterkirche, Zusammenhalt der Bürger, guter Kindergarten, Gasthaus, Bürgerbus, verkehrsgünstige Lage.

  • Schwächen:

ÖPNV, Altersstruktur, Nahversorgung, Leerstände, unbebaute Grundstücke, medizinische Versorgung, keine Begegnungsstätten außerhalb der Vereine, kaum Gewerbe.

  • Chancen:

Digitalisierung, Umgestaltung Leerstände, Schaffung von Begegnungsstätten, Verbesserung Informationsmanagement, Anreize für junge Familien schaffen, Fördermittel, Mitwirkung der Bevölkerung.

Wo besteht Handlungsbedarf?

  • Ortskerne/ Baukultur
  • Schaffung von Begegnungsstätten
  • Unterstützung Ehrenamt/ Engagement/ Vereine
  • Stärkung der Gemeinschaft/ mehr miteinander

Information über finanzielle Förderungsmöglichkeiten

  • Insgesamt max. 50 % der förderfähigen Gesamtkosten
  • Vorbereitung und Begleitung bis zu 70 %
  • Planungen und Konzepte zur Dorfentwicklung bis zu 70 %
  • Beratungen bis zu 70 %
  • Straße und Wege bis zu 60 %
  • Ökologische Maßnahmen bis zu 60 %
  • Bedarfsgerechte Ausstattung bis zu 60 %
  • Öffentliche Einrichtungen bis zu 60 %
  • Ländlich-dörfliche Bausubstanz (öffentlicher Bereich) bis zu 60 %
  • Boden- und Gebäudemanagement bis zu 60 %, jedoch max. 200.000,- €
  • Sonstige Aufwendungen bis zu 60 %
  • Ländlich-dörfliche Bausubstanz (nicht öffentlicher Bereich) bis zu 35 %, höchstens 50.000,- € je Gebäude. Bei kulturhistorisch oder denkmalpflegerisch besonders wertvollen Gebäuden bis zu 60 %, höchstens 80.000,- € je Gebäude. Bei energetischer Sanierung Erhöhung um bis zu 10.000,- € mgl.
  • Vorbereichs- und Hofraumgestaltung (nichtöffentlicher Bereich) bis zu 30 % max. 15.000,- € je Anwesen
  • ILE-Bonus: 10 % für Maßnahmen, die der Umsetzung des ILEK dienen

Vorstellung des Zeitplans der „Vorbereitungsphase“ und der einzelnen Zwischenschritte

  • Antragstellung
  • Information von Gemeinderat und Bürgern
  • Vorbereitungsphase
  • Festlegung der Ziele/ Projektbeschreibung
  • Schlüsselmaßnahmen, Förderung
  • Einleitung des Verfahrens
  • Wahl des Vorstands der Teilnehmergemeinschaft (= Anwohner im Gebiet der Dorferneuerung)
  • Aufstellung der endgültigen Planung/ Finanzierung der Maßnahme
  • Umsetzung der Maßnahme
  • Bodenordnung
  • Schlussrechnung
  • Abschluss des Verfahrens

Ganz konkret wurde an drei möglichen Teilprojekten die methodische Arbeitsweise in zukünftigen Arbeitskreisen erprobt und Vorschläge für erste kleinere Startprojekte erarbeitet. Hierbei wurde u. a. die Einführung einer Dorf-App, die Schaffung eines Wassertretplatzes und die Ausweisung von Nordic-Walking-Strecken bzw. Freizeitwegen genannt. Für das Thema Dorf-App übernimmt der 1. BGM, Daniel Bachmann, die Federführung, das Thema Wassertretplatz zeichnet sich Richard Lomax als Vorstand des Verschönerungsvereins verantwortlich und die Ausweisung der Freizeitwege wird von Klaus Neumann und Klaus Bacher vom Sportverein geplant.

Die intensive Arbeit in den zwei Seminartagen machte deutlich, welche Chancen und Zukunftsperspektiven unserer Gemeinde offenstehen. Um den Gedanken einer „Dorferneuerung“ ganz konkrete Taten folgen zu lassen, bedarf es der Mithilfe vieler engagierter Bürger, die mit Ausdauer, viel Fingerspitzengefühl und respektvollem Miteinander diesen langjährigen Prozess tatkräftig unterstützen.

Am 26. und 30.10.2020 finden für alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde die Auftaktveranstaltungen zur Dorferneuerung von Holzkirchen und Wüstenzell im Pfarrheim Wüstenzell statt, bei denen Arbeitskreise als Mitwirkungsgremium gebildet werden. Beginn ist jeweils um 19:00 Uhr und aufgrund der Teilnehmerbegrenzung auf 50 Personen ist eine Voranmeldung beim 1. BGM, Daniel Bachmann, unter Nennung der Adresse und Erreichbarkeit zwingend erforderlich.

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